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Panoramen mit ICE

Publiziert in PCNEWS-129, Seite 12, "Panoramen mit Microsoft ICE"


Wien vom Dach des TGM, Brigittenau

Panoramen sind Bilder mit einem großen Bildwinkel und/oder hoher Auflösung. Man erhält sie durch Aneinanderreihung überlappender Einzelbilder. Man lässt diese Einzelbilder durch ein so genanntes Stitcher-Programm zusammensetzen. 

Manche Kameras haben bereits einzeilige oder flächige Panoramamodi eingebaut und es gibt sogar Spezialkameras für diesen Zweck. 

Das verwendete Objektiv bestimmt einerseits die Anzahl der benötigten Einzelbilder und auch gleichzeitig die erzielbare Detailtreue. Wenn es darum geht, dass man auch kleinste Details erkennen können soll, verwendet man ein Teleobjektiv.

Microsoft ICE

Ein sehr leistungsfähiges Stitcher-Programm kommt aus dem Forschungslabor von Microsoft und heißt ICE (Image Composite Editor), das einerseits kostenlos ist und anderseits sehr bedienungsfreundlich arbeitet. Bedienungsfreundlich deshalb, weil keinerlei Voraussetzungen über die Reihenfolge der Bilder gegeben sein muss. Das Programm erkennt selbständig die Im Bild dargestellten Objekte, berücksichtigt Objektivverzerrungen und Tonwertschwankungen 

Komposition

Man fotografiert eine praktisch beliebige Anzahl von Teilbildern der gewünschten Szene. Mit der Brennweite des Objektivs steigt die Anzahl der Bilder, der Detailreichtum und die Dateigröße. Die Einzelbilder kommen in ein Verzeichnis, werden markiert und auf das geöffnete Programm ICE gezogen. Man kann dazu auch den Datei-Dialog benutzen. 

Auf Schalke (Bildauswahl)

Auf Schalke (Bildauswahl)



Je nach Auflösung der Einzelbilder dauert es jetzt ein bisschen und danach erscheint das Ergebnis. Randfehler sind unvermeidlich und müssen durch Beschnitt in ICE nachbearbeitet werden.

Auf Schalke (Zusammenfügen mit ICE)

Auf Schalke (Zusammenfügen mit ICE)



Wenn man die Anordnung der Bilder beeinflussen will, kann man im Datei-Dialog über File -> New Structured Panorama die Zeilen- und Spaltenzahl der Einzelbilder wählen. In dieser Betriebsart "denkt" ICE nicht mit und verbindet so, wie die Bilder angeordnet sind. Das kann zu kuriosen Ergebnissen führen.

Scheibbs vom Lamplsberg (manuelle Anordnung der Bilder)

Scheibbs vom Lamplsberg (manuelle Anordnung der Bilder)



Man kann die Sache auch vereinfachen und ein Video der Szene aufnehmen und die Kamera langsam von links nach rechts schwenken. Das Programm ICE kann auch damit gut umgehen. Man kann den Start und das Ende für die Panoramaberechnung angeben und Bereiche von besonderer Wichtigkeit definieren.

Olympiastadion Berlin (Video-Panorama: wichtige Bereiche können markiert werden)

Olympiastadion Berlin (Video-Panorama: wichtige Bereiche können markiert werden)


Das Ergebnis ist eindrucksvoll aber wie das bei Videos so ist, in die Details hineinzoomen kann man wegen der viel geringeren Auflösung nicht.

Olympiastadion Berlin (aus einem Video)

Olympiastadion Berlin (aus einem Video)


Nachdem das Bild zusammengesetzt ist, kann man korrigierend in das Ergebnis eingreifen:

Einstellungen

Kamerabewegung

Stellt man hier nichts ein, dann bestimmt das Programm von selbst, wie sich die Kameraposition gegenüber dem Objekt bewegt hat. Händisch kann man einstellen:
  • planar mit 3 Versionen; angenommen wird, dass die Kamera parallel zur Szene verschoben wird
  • drehend (Bildkrümmungen an den Rändern sind normal. Sie entsprechen den Krümmungen, die auch bei Objektiven mit sehr kleinen Brennweiten auftreten.)
  • automatic: das Programm stellt die Art der Kamerabewegung selbständig fest. (Voreinstellung)

Crop (Beschnitt des Bildes)

Insbesondere bei freihändigem Arbeiten ist der Bildrand des komponierten Bildes ausgefranst und gewölbt. Diese Randfehler können mit dem Beschnittwerkzeug ("Crop") automatisch oder manuell entfernt werden, indem ein fehlerfreier rechteckiger Ausschnitt des Bildes ausgewählt wird.

Projektion

Vor dem Zuschneiden des Bildes auf ein rechteckiges Format kann man noch verschiedene Transformationen ausführen und dabei das Gesamterscheinungsbild beeinflussen.  Beeinflusst werden zylindrische und sphärische Transformationen, jeweils horizontal und vertikal.

Exportformate

Das gestitchte und zugeschnittene Bild kann bereits als Ausgangspunkt für einen Bilddruck verwendet werden, indem man es als Bilddatei exportiert. Unterstützt werden die gängigen Bildformate JPG, TIFF, Adobe Photoshop, BMP, PNG und WDP (HD Photo Image). Diese Bilder können mit Hilfe von HD Make für Internet-Darstellung mit HD View aufbereitet werden. (siehe Megapixel-Bilder im Internet). Diesen Schritt kann man umgehen, denn ICE besitzt bereits das Ausgabeformat von HD View (Deep Zoom Tileset). Schließlich können die Bildkompositionen zur Plattform Photosynth exportiert werden. Photosynth ist für alle gedacht, die keinen eigenen Webspace verwalten und sich ausschließlich mit der Publikation von Panoramabilder beschäftigen. Man registriert einen Account (Live-ID ist möglich) und kann die Panoramabilder direkt aus ICE nach Photosynth hochladen. 

Was soll man beachten

Bitte beachten Sie, dass meine Fotos nur als Erinnerungsbilder dienen und keinen Anspruch auf Professionalität erheben. Es geht hier nur um die Vorstellung einer Technologie. Die Bilder selbst können durch mehr Detailwissen und (vor allem) durch mehr Sorgfalt stark verbessert werden. Es ist aber erstaunlich, wie gut das Programm ICE mit Verstößen gegen die Regeln umgehen kann und dass man durch Zuschnitte aus eigentlich unbrauchbaren Panoramen doch noch brauchbare Bilder herstellen kann.
  • Geeigneten Standpunkt wählen, keine Objekte in der Nähe, die das Panorama stören könnten.
  • Bilder müssen überlappen. Besser mehr als weniger Überlappung, empfohlen wird 50%.
  • Konkrete Objekte sollten zumindest drei Mal auf den Bildern vorkommen
  • Stativ verwenden, wo immer möglich. Vorteilhaft kann auch ein Panorama-Kopf sein (insbesondere bei Aufnahmen mit dem Teleobjektiv), bei dem der Drehwinkel genau einstellbar ist, denn Lücken in der Bildfolge machen alles unbrauchbar. Immer besser mehr als weniger Aufnahmen. Die Reihenfolge der Aufnahmen ist beliebig.
  • "Scharf mit alles". Normale Schnappschüsse verzeihen kleine Unschärfen, weil man sie am Papierbild nicht sieht. Das trifft aber nicht zu, wenn man das Bild in allen Details betrachten will. Größere Blenden sind für einer große Tiefenschärfe besser.
  • Weniger Automatik, mehr manuelle Einstellungen. Keine Programmfunktionen, kein automatischer Weißabgleich, vielleicht auch kein automatisches Scharfstellen, weil nicht immer klar ist, auf welche Entfernung scharf gestellt wurde.
  • Auf eine einheitliche Gesamthöhe und gleichbleibenden oberen Bildrand achten. Man muss auf den gleichbleibenden Horizont achten, nicht darauf, was man gerne auf dem Bild hätte. Bei abfallendem Gelände eines Stadtpanoramas entsteht bei falscher Kamerahaltung (Horizont immer in der Mitte) ein gebogenes und danach kaum mehr verwertbares Bild.
  • Alle Bildteile sollten Strukturen enthalten, sonst kann die Automatik keine Bilder einfügen.
  • Bilder sollen nicht beschnitten werden
  • Objekte mit periodischen Strukturen oder Bildteile ohne Strukuren sind problematisch

Wien vom Esterhazy-Bunker (Abfallendes Gelände)

Wien vom Esterhazy-Bunker (Abfallendes Gelände)

Scheibbs vom Lamplsberg (Unstrukturierte Bildteile fehlen (Himmel))

Scheibbs vom Lamplsberg (Unstrukturierte Bildteile fehlen (Himmel))

Scheibbs vom Sandsteg (Brückengeländer ist zu nahe)

Scheibbs vom Sandsteg (Brückengeländer ist zu nahe)

Scheibbs vom Sandsteg (Fehlerhaftes Brückengeländer durch Zuschnitt entfernt)

Scheibbs vom Sandsteg (Fehlerhaftes Brückengeländer durch Zuschnitt entfernt)

Scheibbs vom Lamplsberg (Verschiedene Schärfe-Einstellungen)

Scheibbs vom Lamplsberg (Verschiedene Schärfe-Einstellungen)

Wien vom Bahnorama-Turm (Weitwinkelaufnahme erscheint fehlerfrei)

Wien vom Bahnorama-Turm (Weitwinkelaufnahme erscheint fehlerfrei)

Wien vom Bahnorama-Turm (Verwacklungen sind bei Bildausschnitten sichtbar)

Wien vom Bahnorama-Turm (Verwacklungen sind bei Bildausschnitten sichtbar)


Links

Grundlagen


ICE


Beispiele von Panoramabildern


Speicherung am eigenen Webspace


Photosynth


Speicherung bei Photosynth

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